June 21st, 2010
sort of revolution
schreiben ist stillstand. unterbrechung jeglichen vorgangs. rotation versiegt, auf und ab gehende finger gewinnen, und der kopf stemmt sich erfolgreich gegen die zentrifigurierende lebensmasse. alle altgedienten muster, die in den letzten jahren zur schriftlichen bewältigung von leben gedient haben, sind untergegangen im überwuchenden leben, in taten, in handeln. vor- und zurückdenken sind in einer textur der gegenwart versponnen, die eigentlich nicht mehr die kleinste lücke für so etwas, für dieses hier, das jenseitige des lebens und nebensächliche des meinen zulässt. wie viel gewalt ich mir selbst zufügen muss, um mich zwischen mein eigenes jetzt zu zwängen, ist angesichts des vorgangs selbst irrelevant. die mittel heiligen keinen zweck und floskeln schon gar nicht. aber der gedanke, sich stifte in die handflächen zu stoßen reizt angesichts einer kopfhaltung, die geradewegs den blick auf den abgrund richten lässt.
so ein abgrund muss nicht zwangsweise unter einem sein. manchmal liegt er auch gerade so umschifft in der vergangenheit. nur knapp verpasst, sonst gäbe es keine gegenwart. oder er liegt in der zukunft, vor einem. vorteilhaft: maßnahmen zum ausweichen können ergriffen werden. bedeutent schwieriger, geradezu gravitätisch, anziehen und abstoßend zugleich ist der abgrund, der einen bereits umschlossen hat. man trägt ihn mit sich herum. manchmal lässt er etwas mehr licht hinein, aber nur kurz bevor man von der zeit wieder ins dunkel zurück gestoßen wird. gegenwärtig ist er nicht. er haftet einem an, man nimmt ihn mit, schreitet vorwärts, sodass die unterscheidung von vergangenem und zukünftigem egal ist. damals und demächst verhalten sich geradezu wie zwei pendel, die langsam und stetig vor und zurück schwingen, und dich je nach dem wieder in den abgrund zurückstoßen. gerade dann, wenn du dich seinem rand genähert hast, weil nur der anschein eines lichts auf dich glaubtest.
bellevue. einzelzimmer.
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